Interview mit dem Generalsekretär der Hizbollah (aus Al-Hikma)

23 10 2007

Die Hizbollah entstand beim israelischen Einmarsch in den Südlibanon als Befreiungsorganisation gegen die zionistische Besatzung und hat erfolgreich gegen die Besatzer (allerdings unter extrem hohen eigenen
Opfern) letztendlich die Befreiung des Libanon bewirkt!
Die Hizbollah wird u.a. von den USA als Terrororganisation eingestuft.
Ausgerechnet aus dem Land stammt das folgende Interview. Der Muslim-Markt hat diesem Interview weder etwas hinzugefügt noch etwas entfernt:

20.Oktober 2000 – ABC Nachrichten “ Ted Koppel interviewt den Generalsekretär der Hizbollah Scheich Hasan Nasrullah. Folgende Auszüge wurden nicht in der Nightline-Sendung mitgezeigt.

TED KOPPEL: Nun ist zu uns geschaltet aus dem Lebanon, Scheich Hasan Nasrallah, der Generalsekretär der Hizbollah, oder Partei Gottes. SCHEICH HASAN NASRALLAH, es kommt nicht so oft vor, daß Sie oder ein Vorsitzender der Hizbollah, mit einem amerikanischen Journalisten spricht, ich frage, um damit zu beginnen, daß Sie mir erzählen, warum Sie dieses Interview akzeptiert haben?

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: Es ist nicht das erste Mal, daß ich mit amerikanische Journalisten spreche. Ich hatte Begegnungen mit viele verschiedene Zeitungen und Stationen, und ich habe nie Probleme gehabt, mich mit amerikanische Journalisten zu treffen. Deshalb ist das hier nichts neues. Aber es ist eine gute Gelegenheit mit Ihnen zu sprechen.

KOPPEL: Meine Frage ist, obwohl ich verstanden habe, daß Sie in der Vergangenheit schon mit amerikanischen Jornalisten gesprochen haben, ob es jetzt das richtige Timing ist, ich frage mich, ob Sie eine bestimmte Tageslosung haben?

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: Sicherlich, in der jetzigen Zeit, ist die Lage in der Region sehr wichtig und sehr sensibel, und ich bin bereit mit Ihnen über alles zu diskutieren.

KOPPEL: Wo stehen Sie, was ist Ihre Meinung zur Existenz des Staates Israel? Ich habe einige Ihrer Reden gehört und für mich sieht es so aus, als ob Sie glauben, daß Israel keine Rechte in der Region hätte. Ist das wirklich so?

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: Ich frage, wo war Israel vor dem Jahr 1948, im ersten Weltkrieg und im zweiten Weltkrieg? Nach dem ersten Weltkrieg gab es Libanon, Palästina, Syrien, Ägypten. Es waren zwei Mandate, ein britisches, und ein fransösisches. Es gab keinen Staat, der Israel hieß. Es gab etwas, was Palästina und die palästinensische Bevölkerung hieß. Zwischen ihnen waren Muslime, Christen und Juden, die zusammen gelebt haben. Aber es kamen dann gewalttätige Organisationen nach Palästina und brachten viele große Bevölkerungsgruppen aus verschiedenen Teilen der Welt mit sich. Sie besetzten das Land der Anderen, vertrieben die palästinensische Bevölkerung und übten Massakern in Deir Jassin und in andere Orten aus. Deshalb ist dieser Staat auf der Basis von Besatzung gegründet. Wenn Sie mich nach meiner Meinung fragen, ich sage, daß dieser Staat auf Besatzung basiert, der sich die Rechte von Anderen wiederrichtlich angeeignet hat.

KOPPEL: Meine Frage an Sie war doch simpler. Meine Frage war: Glauben Sie, daß der Staat Israel, in irgend einer Form, ob in reduzierte Version, oder sonstwie, ein Recht hat, zu existieren?

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: Ich glaube, daß Palästina ein besetztes Land ist, vom Mittelmeer bis zum Jordan-Fluss. Dieses Land ist das Recht der gesammten palästinensischen Bevölkerung. Auf diesem Land könnten Muslime, Christen und Juden zusammen existieren, wie sie die letzten hunderte von Jahren taten, und zwar im Rahmen eines demokratischen Staates. Wie auch immer, es gibt keinen legalen und legitimen Staat, der Israel heißt.

KOPPEL: So ist nach Vorstellung der Hizbollah, das einzige, was dann zu verhandeln wäre, wie der Staat Israel abgerissen werden kann, nicht wahr?

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: Wir möchten nicht über den Abriss des Staates sprechen. Wir möchten lieber über die Rückgabe des Landes an das Volk sprechen, dessen Recht es ist.

KOPPEL: Ich verstehe

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: – und es ist ein Land, worauf viele Menschen leben können.

KOPPEL: Wir sprechen nicht in diesem Moment darüber, wem es erlaubt war, wo zu leben. Der Staat Israel existiert jetzt schon seit 52 Jahren und meine Frage ist, ob Hizbollah irgend etwas geringeres als dem Abriss des Staates Israel akzeptiert?

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: Es ist klar, daß ich nicht an einen legalen Staat Israels glaube, weil er auf Besatzung gegründet ist. Würden Sie einer Gruppe von Menschen erlauben, von Andereswo zu kommen, und ein Teil der Vereinigten Staaten zu besetzen und dann einen unabhängigen Staat einzurichten, und nach 50 Jahren ist es Ihnen nicht mehr möglich in diesem Land zu verbleiben? Der Anfangspunkt ist: Ob es ihnen erlaubt ist dieses Land zu besetzen oder nicht? Was illegal ist, kann nicht legal werden, nur weil es seit 50 Jahren besteht. Besatzung bleibt Besatzung, auch nach hunderten von Jahren.

KOPPEL: Sie haben die Frage der Vereinten Staaten erhoben. Ich möchte mit Ihnen nicht über Geschichte debattieren, aber eigentlich gibt es Teile dieses Landes, die anderen Nationen und anderen Menschen gehörten, und dieses Land wurde ohnehin auf diesem Territorium gegründet, und hat jetzt für mehrere hunderte von Jahren überlebt. Wenn Sie also pragmatisch sind, werde ich Ihnen erläutern, daß der Staat Israel jetzt vielleicht für immer da ist.

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: Ich akzeptiere dieses Ergebnis nicht. Israel bleibt einen Fremdkörper in diesem weiten Gebiet, und es hat bewiesen, daß er nicht fähig ist, in dieser Umgebung zu koexistieren, weil der Umfang seiner verübten Massakern es ihm nicht erlaubt zu koexistieren. In den letzten 50 Jahren hat der Staat Israel bewiesen, daß es ein nach Ausweitung strebender Staat ist, der die ganze Region dominieren will, und nicht zufrieden ist mit dem, was er schon hat. Er mischt sich immer hn die Angelegenheiten von anderen Staaten in dieser Region ein, wie es im Libanon geschehen ist. Ich glaube nicht – seit dem ersten Tag -, daß Israel ein Friedenskanditat in dieser Region ist.

KOPPEL: Wenn ich ein israelischer Anführer wäre, und Ihnen jetzt zuhören würde, würde ich sagen: Nasrallah, Sie fordern mich auf, über meiner Kapitulation zu verhandeln, über meinen Selbstmord. Warum sollte ich gerade mit Ihnen weiter reden, oder jemand anderem, der die Palästinenser repräsentiert, wenn all das, was Sie letztendlich tun wollen, mich zu vernichten ist?

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: Es ist natürlich für jeden israelischen Anführer so zu denken, weil jeder, der ein besetztes Land regiert so denken wird. Das Problem unserer Uneinigkeit ist über den Ursprung. Ist es ein besetztes Land oder nicht? Das ist mehrere Male in der Geschichte des Menschens geschehen, und die Anführer der Besatzer hielten fest an dem Land, das sie besetzten. Die Menschen kämpfen um ihr Land zu befreien. Aber letztendlich führt der Wille der Menschen zum Sieg.

KOPPEL: Geben Sie mir ein Gefühl, wenn Sie können, was geschehen wird im Verlauf der nächsten fünf Monate, und was geschehen würde, wenn zum Beispiel Arafat und die Israelis eine dauerhafte Übereinkunft erreicht hätten. Würde das für Sie akzeptabel sein?

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: Es hängt von dieser Übereinkunft ab. Auch diejenigen, die Oslo unterstützt haben, sind jetzt frustriert. Ich will Ihnen etwas offen sagen: Dieser jetzige Aufstand ist nicht von Hamas oder dem islamischen Jihad, sodern es ist von Fatah zusammen mit dem islamischen Jihad, Hamas und den Rest der palästinensischen Bevölkerung. Diejenigen, die verhandelt hatten, sind jetzt an der Frontlinie dieses Aufstands, weil sie gesehen haben, daß diese Verhandlungen ihnen nicht einmal ein Minimum ihrer Rechte gegeben hat. Sie können sich die West-Bank betrachten. Die Städte sind wie Gefängnisse. Diese können rasch von israelischen Truppen abgeriegelt werden, und alles in dieser Städte wird gestoppt. Das ist das Resultat von Oslo. Alles was Arafat und die Israelis abschließen, beeinflusst den Verlauf der Geschehnisse. Der Gipfel von Scharm-el-Scheich produzierte keine Vereinbarung. Dieses war ein Fehler. Sie brachten sie zusammen, um ihnen nur zu sagen, hört auf zu kämpfen. Die Palästinenser müssten aufhören, Steine zu werfen, und die Israelis müssten aufhören Rakete zu feuern. Und nach Ansicht des Scharm-el-Scheich-Gipfels, sind Raketen gleich Steinen. Dennoch, Sie haben das, was zu dieser Lage geführt hat, nicht behandelt. Ich glaube, daß die Lage in den palästinensischen Gebieten immer explosionsartig ist, weil die gleichen Verhältnisse noch immer bestehen.

KOPPEL: Glauben Sie, daß der Wille der Menschen in z.B. Saudi Arabien, in Ägypten, in Jordanien, ihre Anführer dazu bringen könnte, ihre Meinung zu ändern, oder möglicherweise ihre Anführer sogar gestürzt werden könnten?

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: Ich kann über diesen Standpunkt nichts genaues sagen, aber ich kann über den Zorn der Menschen sprechen, wobei wir nicht wissen, wohin dieser führen könnte.

KOPPEL: Wo möchten Sie gerne, daß dieser hinführt?

NASRALLAH [durch Dolmetscher]: Eigentlich sprechen wir nicht über Krieg. Was wir sagen möchten ist, daß die Besatzer zurückgehen, woher sie gekommen sind, zum Beispiel, die Flaschas von Äthiopien könnten zurückgehen, woher sie gekommen sind. Allein diese kamen erst vor wenigen Jahren nach Palästina. Menschen aus Palästina sind dagegen ausgewiesen. Sie sind im Libanon, in Jordanien und in Syrien. Inzwischen wollen sie weitere Flaschas von Äthiopien nach Palästina bringen. Die, die aus Rußland kamen, könnten genauso nach Rußland zurückgehen. Wenn das Land den Menschen zurückgeben wird, dann wird es keinen Krieg – oder keine Kriege – geben. Sie würden sagen, daß die Sache nicht so einfach ist, das weiße ich. Aber diese Region kann keine Besatzung akzeptieren, und die Bevölkerung dieser Region ist eine sehr alte Bevölkerung, sie haben geschichtliche Bindungen und eine alte Zivilationen. Sie können ihnen ihr Heiligtum, das, was sie für heilig halten, nicht so einfach wegnehmen. Ich glaube die Besatzer Palästinas sollten aus dem Beispiel der Kreuzfahrer, die auch hierher kamen, eine Lehre ziehen. Palästina war Gegenstand der Angriffe der Kreuzfahrer 200 Jahre lang, und nicht nur fünfzig. Schließlich kann kein fremder Körper hier weiterbestehen und überleben. So können wir dies beenden, ohne Blutvegießen auf beiden Seiten.

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Nightline: Koppel on the Middle East


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